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Zwischenbilanz Schulpräsidium: Vom Bekanntheitsbonus zur Kompetenzanalyse

  • andreadibiase
  • 27. Nov. 2024
  • 4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 22. Dez. 2024

Überraschungen, knappe Ergebnisse und viele offene Fragen - der erste Wahlgang fürs Schulpräsidium ist Geschichte. Doch was bedeutet dieses Resultat wirklich? In einer Zeit, in der unsere Schulen vor grossen Herausforderungen stehen, rückt die Frage nach der richtigen Führung in den Fokus. Welche Kompetenzen braucht es heute, um eine Schule erfolgreich zu leiten? Und reicht Bekanntheit als Qualifikation wirklich aus?


Als amtierende Schulpflegerin nutze ich die Gelegenheit, einige wichtige Denkanstösse zu geben. Denn der zweite Wahlgang am 09. Februar 2025 bietet die Chance, genauer hinzuschauen und eine durchdachte Entscheidung für die Zukunft unserer Schulgemeinde zu treffen - eine Entscheidung, die weit über den Wahltag hinaus Wirkung zeigen wird.


Die Ausgangslage


Die Resultate zeigen ein äusserst spannendes Rennen: Die ersten beiden Kandidierenden liegen gleichauf, ich folge dicht dahinter, während eine vierte Kandidatur etwas abgeschlagen ist. Die fünfte kandidierende Person hat ihre Bewerbung inzwischen zurückgezogen.


Von Bekanntheit zu Kompetenz: Die Evolution der Wahlkriterien


Ein faszinierender Aspekt des ersten Wahlgangs war die deutliche Gewichtung des "Ich kenne diese Person"-Faktors. Diese persönliche Bekanntheit spielte eine überraschend grosse Rolle bei der Wahlentscheidung vieler Bürgerinnen und Bürger. Während dieser Aspekt durchaus seine Berechtigung hat, sollten wir im zweiten Wahlgang den Fokus erweitern und verstärkt auf qualitative Kriterien achten.


Was macht eine gute Schulpräsidentin aus?


Eine Wahl fürs Schulpräsidium ist eine weitreichende Entscheidung für die Zukunft unserer Schule. Deshalb lohnt es sich, die verschiedenen Wahlkriterien sorgfältig abzuwägen und sich mit den wirklich wichtigen Fragen auseinanderzusetzen. Welche Eigenschaften und Kompetenzen braucht eine erfolgreiche Schulpräsidentin heute? In Zeiten schneller Veränderungen im Bildungswesen stellen sich dabei grundlegende Fragen:


  • Welche Rolle spielt das Alter in einem Führungsamt? Bedeutet mehr Lebenserfahrung automatisch bessere Führung? Oder braucht es die Dynamik und Innovationskraft jüngerer Generationen? Und wie verhält es sich generell mit sehr langer Amtsausübung - bleiben nach vielen Jahren im gleichen Amt Motivation und frische Impulse wirklich erhalten?


  • Wie wichtig ist politische Ideologie auf kommunaler Ebene? Geht es in der Schulführung nicht vielmehr um praktische Lösungen und Kompetenzen als um parteipolitische Positionen? Und ist es nicht entscheidend zu verstehen, dass alle wichtigen Entscheidungen ohnehin im Schulpflegegremium als Ganzes gefällt werden - wo Sachkompetenz und Konsens wichtiger sind als politische Ideologie?


  • Welche Bedeutung hat professionelle Kommunikationserfahrung in der heutigen Zeit? Reicht es, "gut kommunizieren zu können", oder braucht es nicht vielmehr fundierte Kommunikationserfahrung aus der Berufspraxis? Jemanden, der Kommunikation nicht nur als Fähigkeit, sondern als Profession versteht und beherrscht?


  • Wie steht es mit der Doppelrolle als Mitglied des Gemeinderats? Braucht es nicht zwingend betriebswirtschaftliches Verständnis und Erfahrung aus der Privatwirtschaft, um auch bei nicht-schulischen Themen kompetent mitentscheiden zu können? Ist eine fundierte wirtschaftliche Ausbildung nicht gerade in Zeiten knapper Ressourcen besonders wichtig für eine moderne Schulführung?


  • Was braucht unsere Schule wirklich - einen kompletten Umbruch oder eine durchdachte, schrittweise Weiterentwicklung? Ist es nicht wichtiger, alle Beteiligten auf dem Weg mitzunehmen, statt mit polarisierenden Aussagen weitreichende Veränderungen zu fordern.


  • Warum spricht eigentlich niemand über Teamfähigkeit? Ist diese Schlüsselkompetenz nicht zentral für eine moderne Schulführung, die auf Zusammenarbeit und gemeinsame Entwicklung setzt?


Dynamiken im zweiten Wahlgang


Erfahrungsgemäss unterscheidet sich ein zweiter Wahlgang fundamental vom ersten. Die Karten werden neu gemischt, und verschiedene spannende Faktoren kommen ins Spiel:


  • Veränderte Wahlbeteiligung: Typischerweise sinkt die Wahlbeteiligung im zweiten Wahlgang leicht. Dies bedeutet aber nicht zwangsläufig einen Nachteil. Oft mobilisieren gerade die engagiertesten Wählergruppen erneut, während unentschlossene Wähler eher fernbleiben.


  • Neue Koalitionen: Nach dem ersten Wahlgang beginnt das grosse Taktieren. Ausgeschiedene Kandidaten geben möglicherweise Wahlempfehlungen ab. Parteien und Interessengruppen positionieren sich neu.


  • Qualitative Neubewertung: Der zweite Wahlgang ermöglicht eine vertiefte Auseinandersetzung mit den Kandidierenden. Während im ersten Wahlgang oft Bekanntheit und erste Eindrücke dominierten, rücken nun Fachkompetenzen, Führungserfahrung und konkrete Visionen in den Vordergrund.


Wahrscheinlichkeiten und Prognosen


Die Mathematik der Wahlprognosen zeigt interessante Muster:


  • Stimmenverschiebungen: Historische Analysen zeigen, dass sich durchschnittlich 20-30% der Stimmen neu verteilen. Diese Verschiebungen folgen jedoch keinem linearen Muster.


  • Mobilisierungspotenzial: Ein oft unterschätzter Faktor ist das unterschiedliche Mobilisierungspotenzial der Kandidierenden. Wer im ersten Wahlgang viele "sichere" Stimmen hatte, hat möglicherweise weniger Reserven für den zweiten Wahlgang.


Ein Appell an die Wählerschaft


Der zweite Wahlgang bietet die Gelegenheit, unsere Schulgemeinde und ihre Bedürfnisse noch einmal genau zu betrachten. Was braucht eine erfolgreiche Schule heute? Wie können wir Bewährtes erhalten und gleichzeitig die notwendigen Entwicklungen für die Zukunft anstossen?


Eine gesunde Schulentwicklung folgt dem Prinzip der Evolution, nicht der Revolution. Veränderungen müssen durchdacht, nachhaltig und mit allen Beteiligten gemeinsam gestaltet werden. Nur so entstehen Verbesserungen, die von der gesamten Schulgemeinschaft getragen werden und langfristig Bestand haben.


Ich lade Sie ein: Nehmen Sie sich einen Moment Zeit und überlegen Sie, welche Eigenschaften eine erfolgreiche Schulpräsidentin mitbringen sollte:


  • Führungserfahrung und Managementkompetenz

  • Verständnis für schulische Abläufe und Prozesse

  • Professionelle Kommunikationskompetenz

  • Wirtschaftskompetenz für effizientes Ressourcenmanagement

  • Breites Fachwissen für die Arbeit im Gemeinderat

  • Offenheit für neue Entwicklungen

  • Wertschätzender Blick für das Bestehende

  • Fähigkeit, Menschen zu inspirieren und mitzunehmen

  • Ausgewogener Ansatz zwischen Bewahren und Erneuern


Das Ziel muss sein, unsere Schule mit Augenmass weiterzuentwickeln - wertschätzend, aber nicht stillstehend; innovativ, aber nicht überstürzend. Evolution statt Revolution - das ist der Weg zu einer erfolgreichen Schule von morgen.



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