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Brennpunkt Volksschule: Herausforderungen und Lösungen für 2026

  • andreadibiase
  • 6. Jan.
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 5 Tagen

Während wir die Neujahrsvorsätze fassen, stehen unsere Schulen vor Herausforderungen, die weit über das Klassenzimmer hinausgehen. Als Schulpflegerin (Ressort Schulentwicklung und Qualitätsmanagement) blicke ich mit einer Mischung aus Realismus und Tatendrang auf das neue Jahr. Wir befinden uns in einer Phase, in der wir die Weichen für die nächsten Jahre stellen – nicht zuletzt, weil ab 2026 wieder die Wahlen anstehen. Es ist der Moment, in dem wir entscheiden, mit welcher Strategie wir unsere Volksschule als stabilen Anker in einer sich schnell verändernden Welt bewahren.


Hier sind die Brennpunkte, die uns 2026 fordern werden:


1. Lehrermangel: Arbeitsbedingungen statt nur Stellenausschreibungen


Der Mangel an qualifizierten Lehrpersonen ist 2026 kein temporäres Problem mehr, sondern eine strukturelle Herausforderung.Wir können den Mangel nicht allein durch "Lückenbüsser" lösen. Als Schulpflege müssen wir die Schulqualität sichern, indem wir die Lehrpersonen von bürokratischem Ballast befreien. Lehrpersonen wollen unterrichten, nicht verwalten.


Ein Erfolgsweg: Dass Pfäffikon hier proaktiv agiert, zeigt unsere Rolle als Kooperationsschule. Indem wir angehende Lehrpersonen bereits während ihrer Ausbildung eng begleiten und in unsere Teams integrieren, sichern wir nicht nur den Nachwuchs, sondern fördern auch den fachlichen Austausch. Wir müssen die Schulleitungen stärken, damit sie ihren Teams den Rücken freihalten können, um genau diese wertvolle Ausbildungsarbeit leisten zu können.


2. Digitalisierung in der Volkschule: Medienkompetenz und kritisches Denken


Die technologische Entwicklung rast voran. Doch Technik ist kein Selbstzweck. 2026 geht es nicht mehr nur um die Ausstattung mit Geräten, sondern um den kompetenten Umgang damit.


In Zeiten von Informationsflut und der rasanten Verbreitung von Fake News muss die Schule lehren, Quellen kritisch zu hinterfragen und Informationen einzuordnen. Dass wir hier am Ball bleiben, zeigt sich auch lokal: So ist man in Pfäffikon ZH aktuell daran, ein fundiertes Konzept zur Medienkompetenz zu erarbeiten. Wir brauchen klare Leitplanken, damit die grundlegenden Kulturtechniken wie Lesen und konzentriertes Arbeiten trotz digitaler Hilfsmittel gewahrt bleiben und unsere Schüler lernen, sich sicher und reflektiert im digitalen Raum zu bewegen.


3. Herausforderung Sonderpädagogik & Integration: Die Grenzen des Machbaren


Ein Thema, das uns Schulen finanziell und personell an den Anschlag bringt, sind die explodierenden Kosten in der Sozialpädagogik und Sonderschulung.


Wir müssen ehrlich zugeben: Die totale Integration stösst an Grenzen. Wenn der Regelunterricht für die Mehrheit der Kinder leidet, weil die Komplexität in der Klasse zu hoch wird, gewinnen wir nichts. 2026 wird das Jahr, in dem wir vermehrt über flexible Förderlösungen (wie Förderklassen und Lerninseln) sprechen müssen. Es geht nicht um Ausgrenzung, sondern darum, jedem Kind – auch den Leistungsstarken – das passende Umfeld zu bieten.


4. Frühe Förderung: Neue Wege in der Gemeinde


Die Weichen für den Schulerfolg werden oft schon vor dem ersten Kindergartentag gestellt. Ein aktuelles Beispiel aus der Region zeigt, wie präsent dieses Thema ist: In Pfäffikon ZH hat die Gemeindeversammlung kürzlich der Einführung einer koordinierten Frühförderung zugestimmt. Solche Projekte zeigen den Trend auf, Sprach- und Kulturdefizite frühzeitig anzugehen. Als Schulpflege ist es unsere Aufgabe, solche Entwicklungen eng zu begleiten und sicherzustellen, dass Massnahmen effizient und zielgerichtet dort ankommen, wo sie den grössten Nutzen stiften.


5. Finanzielle Nachhaltigkeit: Stagnierende Schülerzahlen, stabile Kosten


Wir müssen Klartext reden: Eine gute Schule kostet Geld, aber sie darf die Steuerzahler nicht überfordern. In den kommenden Jahren zeichnet sich ab, dass die Schülerzahlen stagnieren werden. Mein Ziel ist hierbei von einer bewussten Logik geprägt: Wenn die Zahl der Lernenden stagniert, muss auch die Stabilisierung der Kosten unser Anspruch sein.


Das ist kein Plädoyer für einen Kahlschlag, sondern für Effizienz. Wir müssen genau hinschauen, wo wir investieren. Jeder Franken, den wir in der Verwaltung oder durch überbordende Bürokratie einsparen, fliesst direkt dorthin, wo er hingehört: in die Klassenzimmer und in die Qualität des Unterrichts.


Eine Frau im Portraitmode mit dunklem Hintergrund. Gesichtsaudruck zeigt Nachdenklichkeit über die Volksschule

Verantwortung & Ausblick


Neben den grossen strategischen Fragen braucht es eine solide Basis in der täglichen Arbeit. Bildung gelingt nur, wenn alle Beteiligten an einem Strick ziehen.


  • Brücken bauen statt Gräben ziehen: Die komplexen Aufgaben der Zukunft lassen sich nicht mit starren Ideologien lösen. Wir brauchen in der Schulpflege Personen, die als sachliche Brückenbauer fungieren – zwischen Lehrpersonen und Eltern, zwischen Schule und Verwaltung sowie zwischen den verschiedenen politischen Lagern.


  • Sachliche Zusammenarbeit: Eine erfolgreiche Schulentwicklung bedingt, dass Behörden, Parteien und die Öffentlichkeit konstruktiv und sachlich zusammenarbeiten. Mein Ziel ist eine transparente Kommunikation und ein respektvoller Umgang untereinander, um gemeinsam pragmatische Lösungen zu finden, die langfristig tragen.


  • Nachhaltiger Ressourceneinsatz: Wir tragen die Verantwortung, die Mittel der Gemeinde sorgsam und dort einzusetzen, wo sie die grösste Wirkung entfalten: direkt bei der Bildung unserer Kinder und Jugendlichen. Dazu gehört auch eine starke Verzahnung mit der Berufswelt, um unseren KMU auch in Zukunft fähige Nachwuchskräfte zu garantieren.


Die Herausforderungen sind gross, aber sie sind gemeinsam gestaltbar. Wir brauchen eine Schule, die als stabiler Pfeiler unserer Gesellschaft fungiert – getragen von gegenseitigem Vertrauen und dem Mut zu sachlichen, menschlichen Lösungen. Ich freue mich darauf, diesen Weg als Schulpflegerin weiterhin mit Euch zu gehen.



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