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Drei Köpfe, ein Ziel – und was ich in 5 Jahren Schulpflege wirklich gelernt habe

  • 28. Jan.
  • 3 Min. Lesezeit


Wer in diesen Tagen durch Pfäffikon spaziert, sieht (bald) ein besonderes Plakat: Drei Kandidierende für die Schulpflege, die ein gemeinsames Versprechen abgeben: «Zäme id Schuelpfläg». Dass wir gemeinsam Gesicht zeigen, ist ein Novum. Doch hinter diesem Plakat steckt mehr als nur ein Slogan. Es ist das Ergebnis von jahrelanger Zusammenarbeit und einer steilen Lernkurve.


Wenn ich heute auf meine Anfänge vor fünf Jahren zurückblicke, stelle ich fest: Mein Blick auf die Schule hat sich grundlegend gewandelt. Erfahrung ist eben das, was man bekommt, wenn man die Theorie in die Praxis umsetzt.


5 Jahre Schulpflege: Meine 5 wichtigsten Mindset-Shifts


Hier sind die fünf Kernpunkte, die ich heute tiefer gehender und differenzierter sehe als bei meinem Amtsantritt:


1. Die "Wirtschafts-Falle": Effizienz vs. Effektivität


Damals gedacht: Mit effizienten Management-Tools lässt sich eine Schule führen wie ein modernes Unternehmen.


Heute weiss ich: Eine Schule produziert keine Waren, sondern ermöglicht Biografien. In der Wirtschaft optimiert man Prozesse, um Zeit zu sparen. In der Bildung ist Zeit jedoch eine notwendige Ressource für Qualität.

Wirtschaftlichkeit ist bei den Finanzen und der Infrastruktur Pflicht – hier müssen wir Steuergelder verantwortungsbewusst einsetzen. Doch im Kern der Schule, der Pädagogik, bedeutet „Qualität“ oft, Umwege zuzulassen, individuell zu fördern und Beziehungen zu pflegen. Diese lassen sich nicht in eine klassische Rendite-Logik pressen.


2. Warum "schnell" oft "zu langsam" ist: Nachhaltige Entwicklung


Damals gedacht: Ein gutes pädagogisches Konzept muss man einfach zügig und konsequent implementieren.


Heute weiss ich: Schulentwicklung ist ein hochkomplexer Kulturwandel. Wer Reformen im Eiltempo „top-down“ verordnet, erzeugt Widerstand und Überlastung. Echte, nachhaltige Qualität entsteht „bottom-up“.

Wir als Schulpflege müssen die Leitplanken setzen, aber den Lehrpersonen und Schulleitungen den Raum geben, diese Veränderungen im Schulalltag zu verankern. Nur wenn das Team die Vision mitträgt, kommt die Verbesserung auch wirklich am Pult des Kindes an.


3. Die Macht des konstruktiven Widerspruchs: Qualität durch Debatte


Damals gedacht: Harmonie und schnelle Einigkeit im Gremium sind das Zeichen für ein gutes Team.


Heute weiss ich: Die besten Lösungen für unsere Gemeinde entstehen dort, wo wir uns gegenseitig fachlich herausfordern. Wenn mein Fokus auf Schulentwicklung auf die harten Fakten der Finanzen oder die sensiblen Themen der Sozialpädagogik trifft, entstehen Spannungsfelder.

Genau dieser fachliche Diskurs ist unser wichtigster Qualitätsfilter. Er verhindert Einseitigkeit. Teamfähigkeit bedeutet für mich heute, diese Reibung auszuhalten und respektvoll um den Kompromiss zu ringen, der am Ende für alle Beteiligten „verhebt“.


4. Führung heisst "Ermöglichen": Vertrauen als Management-Tool


Damals gedacht: Wir in der Schulpflege müssen die Kontrolle behalten und tief in die operativen Abläufe eingreifen.


Heute weiss ich: Wir sind eine strategische Behörde. Unsere wichtigste Aufgabe ist es, den Profis an der Front – unseren Schulleitungen und Lehrpersonen – den Rücken freizuhalten.

Gute Führung bedeutet, Vertrauen in die Fachkompetenz unserer Mitarbeitenden zu setzen und Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen sie ihre beste Arbeit leisten können. Wir setzen die Ziele und prüfen deren Erreichung, aber den Weg dorthin lassen wir von denen gestalten, die täglich mit den Kindern arbeiten.


5. QM ist kein Kontrollbesuch: Fehlerkultur fördern


Damals gedacht: Qualitätsmanagement (QM) dient primär der Kontrolle und der Einhaltung von Standards.


Heute weiss ich: QM ist ein Navigationssystem, keine Radarfalle. In meinem Ressort sehe ich QM als Instrument zur Schulentwicklung. Es geht darum, Daten und Feedback so zu nutzen, dass wir lernen, wo wir stehen und wo wir hinwollen.

Ein wirksames QM fördert eine offene Fehlerkultur: Wir schauen hin, was nicht funktioniert, nicht um Schuldige zu finden, sondern um die Prozesse zu verbessern. Das gibt dem ganzen System die Sicherheit, auch mal mutig neue pädagogische Wege zu gehen.


Ein eingespieltes Team für ein grosses Ganzes


Diese Lernprozesse haben uns drei zusammengeschweisst. Unser gemeinsames Plakat symbolisiert die Verlässlichkeit, die wir in die Schulpflege einbringen möchten. Wir wissen, wie wir miteinander diskutieren müssen, um Pfäffikon voranzubringen.


Dabei ist uns bewusst: Eine starke Schulpflege braucht das gesamte Gremium und alle Ressorts. Wir drei bringen unsere langjährige Erfahrung ein, um gemeinsam mit den anderen Mitgliedern und neuen Impulsen eine stabile Brücke in die Zukunft zu bauen.


Erfahrung einbringen. Gemeinsam Verantwortung tragen. Für eine starke Schule Pfäffikon.



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